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Panne auf der Autobahn sicher überstehen

8 Minuten Lesezeit
Warndreieck am Rand einer leeren Landstraße, weit dahinter ein Auto mit eingeschaltetem Licht, Bäume am Straßenrand

Ein Warndreieck nützt nur, wenn es früh zu sehen ist. Auf der Autobahn gehört es mindestens 150 Meter hinter das Auto, das ist der Abstand von vier Leitpfosten.

Eine Panne auf der Autobahn beginnt fast immer gleich: Eine Warnleuchte geht an, der Motor nimmt kein Gas mehr an, und rechts neben Ihnen rauschen Lastwagen mit 80 und Autos mit 150 vorbei. In diesem Moment zählt keine Technik, sondern die Reihenfolge der nächsten Handgriffe. Laut ADAC-Pannenstatistik ging 2025 fast jede zweite Panne (45,4 Prozent) auf die Starterbatterie zurück, ein Fall für den Pannendienst und nicht für Sie. Ihre Aufgabe ist eine andere. Sie bringen sich und alle Mitfahrer in Sicherheit, machen den Standort klar und holen die passende Hilfe. Für den Fall, dass es gekracht hat, haben wir einen eigenen Beitrag zum Verhalten nach dem Unfall.

Bis zum Parkplatz rollen, wenn das Auto es zulässt

Schalten Sie sofort den Warnblinker ein und lassen Sie das Auto ausrollen, ohne abrupt zu bremsen. Erreichen Sie noch einen Parkplatz, eine Haltebucht oder die nächste Ausfahrt, ist das der beste Ort für eine Panne. Erst wenn das nicht mehr geht, halten Sie auf dem Seitenstreifen, so weit rechts wie möglich. Auf der Autobahn ist das Halten grundsätzlich verboten, ausdrücklich auch auf dem Seitenstreifen. Die Panne ist der Ausnahmefall, für den er da ist.

Auf manchen Abschnitten wird der Seitenstreifen zu Stoßzeiten als zusätzliche Fahrspur freigegeben. Das zeigen Schilder über der Fahrbahn an. Für Pannenautos gibt es dort Nothaltebuchten, etwa im Abstand von einem Kilometer. Rollt Ihr Auto noch, steuern Sie die nächste Bucht an, statt auf dem freigegebenen Streifen stehen zu bleiben, denn dort kommt der Verkehr von hinten mit voller Geschwindigkeit.

Ist das Auto zum Stehen gekommen, drehen Sie die Räder nach rechts. Fährt jemand auf, schiebt er Ihr Auto dann eher von der Fahrbahn weg als zurück in den Verkehr. Stellen Sie den Motor ab und schalten Sie bei Dunkelheit zusätzlich das Standlicht ein. Ein geöffneter Kofferraumdeckel macht das stehende Auto für den nachfolgenden Verkehr noch auffälliger.

Haben Sie die Ausfahrt knapp verpasst, ist die Versuchung groß, auf dem Seitenstreifen ein Stück zurückzusetzen. Rückwärtsfahren ist dort verboten und kostet 130 Euro und einen Punkt in Flensburg. Das Auto bleibt stehen, wo es steht.

Alle steigen rechts aus und warten hinter der Leitplanke

Ziehen Sie die Warnweste noch im Auto an. Sie gehört deshalb in die Seitentasche der Fahrertür und nicht unter das Urlaubsgepäck. Vorgeschrieben ist eine Weste je Pkw, sinnvoll ist eine für jeden, der aussteigt. Lassen Sie alle Mitfahrer auf der Beifahrerseite aussteigen, niemals zur Fahrbahn hin. Ein Hund kommt vorher an die Leine.

Dann gehen alle hinter die Leitplanke, mit etwas Abstand zum Auto und ohne die Fahrbahn zu überqueren. Das Warten dort fühlt sich übertrieben an, vor allem bei Regen. Es ist aber der einzige Platz, an dem ein Auffahrunfall Sie nicht erreicht. Liegen Teile Ihres Autos oder verlorene Ladung auf der Fahrbahn, rufen Sie die Polizei unter 110 und holen nichts selbst von der Straße.

Einen platten Reifen selbst zu wechseln, sieht nach zwanzig Minuten Arbeit aus. Am Rand einer Autobahn knien Sie dabei aber mit dem Rücken zum Verkehr. Überlassen Sie das dem Pannendienst, der sein Fahrzeug mit Warnleuchten hinter Ihres stellt.

Das Warndreieck gehört vier Leitpfosten hinter das Auto

Die Straßenverkehrs-Ordnung verlangt in § 15 erst das Warnblinklicht und danach ein Warndreieck in ausreichender Entfernung, bei schnellem Verkehr etwa 100 Meter. Auf der Autobahn ist mehr sinnvoll: mindestens 150 Meter, der Abstand von vier Leitpfosten. Liegt in dieser Entfernung eine Kurve oder eine Kuppe, stellen Sie das Dreieck davor auf, damit es früh genug zu sehen ist.

Gehen Sie den Weg möglichst hinter der Leitplanke, dem Verkehr entgegen. Ist das nicht möglich, bleiben Sie am äußersten Rand. Tragen Sie das Warndreieck aufgeklappt etwa auf Brusthöhe vor sich her. So sieht der nachfolgende Verkehr Sie schon, bevor das Dreieck steht. Danach gehen Sie zurück hinter die Leitplanke. Wird ein liegen gebliebenes Auto nicht abgesichert und dadurch jemand gefährdet, kostet das 60 Euro und einen Punkt. Weit wichtiger ist, dass Ihr Auto für die nächsten Minuten ein Hindernis ist, mit dem niemand rechnet.

Blaue Schilder verraten Ihren Standort

Wenn Sie Hilfe rufen, ist die wichtigste Angabe der Ort. Am rechten Rand vieler Autobahnen stehen in regelmäßigen Abständen kleine blaue Schilder mit einer Kilometerangabe. Nennen Sie am Telefon die Autobahnnummer und die Fahrtrichtung samt Kilometer, etwa A 7 Richtung Hamburg, Kilometer 146,5. Damit findet Sie der Pannendienst ohne Suchen. Hilfreich sind außerdem Ihr Kennzeichen und die Farbe des Autos, und wenn das Display eine Fehlermeldung zeigt, lesen Sie sie vor.

Der zweite Weg führt über die orangefarbenen Notrufsäulen. Sie stehen etwa alle zwei Kilometer in beiden Richtungen, und jede übermittelt ihren Standort selbst. Kleine schwarze Pfeile auf den Leitpfosten zeigen, in welcher Richtung die nächste Säule steht. Die gelbe Taste ist für Pannen, die rote für Unfälle. Gehen Sie zur Säule hinter der Leitplanke und queren Sie niemals die Fahrbahn, auch wenn die Säule gegenüber näher wäre. Verlassen Sie sich trotzdem nicht allein auf sie: Am 10. März 2026 fielen bundesweit alle orangefarbenen Notrufsäulen außerhalb der Tunnel für rund einen Tag aus.

Gibt es Verletzte oder steht Ihr Auto gefährlich, wählen Sie die 112. Ein Smartphone schickt bei diesem Notruf seine GPS-Position automatisch an die Leitstelle, ohne App und ohne Ihr Zutun. Für eine reine Panne ist der Pannendienst die richtige Nummer.

Club, Schutzbrief oder Mobilitätsgarantie

Pannenhilfe bekommen Sie auf drei Wegen. Als Mitglied eines Automobilclubs rufen Sie dessen Pannenhilfe. Ein Schutzbrief zur Kfz-Versicherung leistet Vergleichbares, also Hilfe vor Ort, Abschleppen in die nächste Werkstatt und Bergen. Er kostet meist wenige Euro im Monat, muss aber ausdrücklich mit abgeschlossen sein. Sehen Sie in Ihren Versicherungsschein, bevor Sie ihn brauchen. Die Höchstbeträge für Abschleppen und Pannenhilfe stehen in Ihrem eigenen Vertrag.

Mit einem Schutzbrief rufen Sie vor der Hilfe die Notrufnummer des Versicherers an und folgen seinen Anweisungen. Organisieren Sie grob fahrlässig auf eigene Faust einen Abschleppwagen, kann er seine Leistung kürzen. Haben Sie Schutzbrief und Clubmitgliedschaft, ist nach den Musterbedingungen der Versicherer zunächst der Club zuständig. Rufen Sie zuerst den Versicherer an, muss er leisten.

Der dritte Weg ist die Mobilitätsgarantie mancher Hersteller. Sie hängt oft an der Wartung. Bei vielen Volkswagen-Modellen etwa gilt sie jeweils bis zur nächsten fälligen Inspektion und verlängert sich nur, wenn diese bei einem Volkswagen-Partner stattfindet. Speichern Sie die Nummern Ihres Clubs, Ihres Versicherers oder Ihres Herstellers im Handy, dann suchen Sie am Seitenstreifen nicht im Handschuhfach.

Abschleppen mit dem Seil ist bis zur nächsten Ausfahrt erlaubt

Ist ein Bekannter mit Abschleppseil zur Stelle, darf er Sie auch von der Autobahn ziehen, allerdings mit klaren Grenzen. Nach § 15a der Straßenverkehrs-Ordnung müssen Sie die Autobahn an der nächsten Ausfahrt verlassen, und beide Autos fahren mit Warnblinklicht. Mit einem Auto im Schlepptau auf die Autobahn aufzufahren, ist dagegen verboten. Zwischen den Autos dürfen höchstens fünf Meter liegen, und Seil oder Stange müssen gut zu erkennen sein, zum Beispiel durch einen roten Lappen. Funktioniert der Warnblinker nach einem Totalausfall der Elektrik nicht mehr, darf das Auto nicht abgeschleppt werden.

Eine starre Abschleppstange ist leichter zu beherrschen als ein Seil. Fahren Sie nicht schneller als 50 km/h, denn bei stehendem Motor fehlen im gezogenen Auto Bremskraftverstärker und Servolenkung. Ein Automatikauto darf nur in Stellung N und nur wenige Kilometer gezogen werden, sonst überhitzt das Getriebe. Elektroautos gehören meist auf einen Abschleppwagen mit Ladefläche, weil der Motor beim Rollen Strom erzeugt und den Antrieb beschädigen kann. Die meisten Hersteller untersagen das Abschleppen auf den eigenen Rädern, die genaue Regel steht in der Betriebsanleitung.

Ein leerer Tank zählt nicht als Panne

Bleibt das Auto ohne Sprit liegen, sieht das für die Beteiligten aus wie jede andere Panne. Rechtlich ist es ein vermeidbares Halten auf der Autobahn, das der Bußgeldkatalog mit 30 Euro ahndet. In den Bedingungen des ADAC gilt Kraftstoffmangel nur dann als Panne, wenn ein technischer Defekt dahintersteckt. Den nachgefüllten Sprit bezahlen Sie in jedem Fall selbst, und für ein Abschleppen mit dem Seil ist ein leerer Tank kein Grund.

Beim Elektroauto ist die Lage ähnlich, nur die Warnungen sind andere. Die meisten E-Autos warnen schon bei 15 bis 20 Prozent Ladung. In einem Test des ADAC mit sechs Modellen fuhren die Autos bei null Prozent noch 15 bis 20 Kilometer weiter, bis sie keine 50 km/h mehr schafften. Auf der Autobahn ist in diesem Zustand kein Platz mehr. Ist der Akku leer, lassen Sie das Auto zur nächsten Ladesäule bringen. Strom aus einem anderen E-Auto zu ziehen, dauert 30 bis 60 Minuten für 5 bis 10 Kilometer Reichweite. Tipps für entspannte Ladestopps stehen in unserem Beitrag zum Laden unterwegs.

Hinter der Leitplanke vergeht die Zeit langsam

Die halbe Stunde bis zum Pannendienst ist meist der unangenehmste Teil, kalt und laut. Sie gehört trotzdem zu den sichersten Minuten der ganzen Panne, solange Sie hinter der Leitplanke stehen. Alles Weitere, vom Abschleppen bis zur Werkstatt, regeln andere, die das jeden Tag machen. Ihr Teil ist erledigt, sobald alle hinter der Leitplanke stehen und das Dreieck leuchtet.

Fotos: Pexels

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