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Fahrzeug prüfen vor der langen Fahrt bis ins Kleingedruckte

8 Minuten Lesezeit
Hand zieht einen gelben Ölmessstab aus dem Motor, darunter die schwarze Motorabdeckung im offenen Motorraum

Zwischen den beiden Marken am Ölmessstab liegt ungefähr ein Liter. Ein Ölfilm in der Mitte heißt deshalb: Es fehlt ein halber Liter, und das Auto ist trotzdem bereit für die Reise.

Die übliche Runde ums Auto vor einer langen Fahrt beschreiben wir in einem eigenen Beitrag zur Vorbereitung auf die Urlaubsreise. Wenn Sie Ihr Fahrzeug prüfen wollen, steckt der eigentliche Wissensvorsprung aber im Kleingedruckten. Auf dem Ölmessstab, der Reifenflanke und im Fahrzeugschein stehen Zahlen, die kaum jemand lesen kann, obwohl sie festlegen, wie viel Ihr Auto verträgt. Mit diesen Zahlen im Kopf erkennen Sie in zehn Minuten, ob Ihr Auto für die Strecke mit voller Beladung gerüstet ist oder ob vorher noch ein Termin in der Werkstatt ansteht.

Am Ölmessstab entscheidet ein Liter

Stellen Sie das Auto zum Messen auf eine ebene Fläche, sonst zeigt der Stab einen falschen Stand. Der Motor sollte warm sein und nach dem Abstellen einige Minuten ruhen, denn das Öl muss erst in die Ölwanne zurücklaufen. Ziehen Sie den Stab heraus, wischen Sie ihn ab, stecken Sie ihn wieder ganz hinein und lesen Sie dann ab. Der Abstand zwischen der unteren und der oberen Marke entspricht ungefähr einem Liter Öl. Mit diesem Wissen schätzen Sie die Nachfüllmenge richtig ein und kippen nicht aus Vorsicht die ganze Flasche hinein.

Zu viel Öl schadet nämlich ebenfalls. Steht der Spiegel deutlich über der oberen Marke, kann das Öl Bläschen bilden, und ein Dieselmotor kann im schlimmsten Fall sein eigenes Öl ansaugen und verbrennen. Dann dreht er unkontrolliert hoch. Liegt der Stand nur knapp über der Marke, schaffen Sie es noch bis zur nächsten Werkstatt. Bei deutlicher Überfüllung bleibt das Auto besser stehen. Ein Warnsignal ist auch ein Ölstand, der von selbst steigt, denn dann verdünnt unverbrannter Kraftstoff oder sogar Wasser das Öl.

Manche Autos zeigen den Ölstand im Bordcomputer an. Diese Anzeige ist bequem, aber nicht unfehlbar, weil auch ein Sensor ausfallen kann. Für die Warnleuchte gilt eine klare Unterscheidung: Die gelbe Ölkanne bittet um Nachfüllen bei nächster Gelegenheit. Leuchtet die rote Ölkanne, fehlt Öldruck, und Sie halten sofort an.

Die Freigabe zählt mehr als die Viskosität

Auf jeder Ölflasche steht groß eine Angabe wie 5W-30. Sie beschreibt nur, wie dick- oder dünnflüssig das Öl bei Kälte und Hitze ist. Entscheidend für Ihren Motor ist die Herstellerfreigabe, eine Kennung wie VW 507.00 oder BMW Longlife-04. Die passende Freigabe für Ihr Auto steht in der Betriebsanleitung oder im Serviceheft, und oft hängt ein Aufkleber mit dem eingefüllten Öl im Motorraum. Ein Öl mit geringerer Leistung als vorgeschrieben kann den Motor schädigen, ein höherwertiges dürfen Sie dagegen bedenkenlos nachfüllen.

Für Autos mit verlängerten Wartungsintervallen lohnt sich ein Liter des passenden Öls im Kofferraum. Diese Longlife-Öle führt nicht jeder Händler, und unterwegs suchen Sie sonst womöglich lange.

Beim Kühlmittel ist Vorsicht wichtiger als Tempo. Öffnen Sie den Ausgleichsbehälter nur bei kaltem Motor, denn warm steht das System unter Druck, und heißes Kühlmittel verbrüht die Haut. Kühlmittelsorten vertragen sich nicht immer: Die Typen G11 und G12 dürfen grundsätzlich nicht gemischt werden, weil sonst der Korrosionsschutz leidet. Haben Sie unterwegs im Sommer nicht das passende Mittel, füllen Sie im Notfall nur Wasser nach und lassen das Mischungsverhältnis danach in der Werkstatt richten.

Alte Bremsflüssigkeit sieht aus wie neue

Bremsflüssigkeit zieht über die Jahre Feuchtigkeit an, zum Beispiel durch die Bremsschläuche. Das Wasser bleibt unsichtbar. Am Ausgleichsbehälter erkennen Sie nur die Menge, nicht das Alter. Wird die Bremse sehr heiß, kann das aufgenommene Wasser sieden, und dann bilden sich Dampfblasen in der Leitung. Im Extremfall baut das Pedal keinen Druck mehr auf.

Den Effekt der Feuchtigkeit zeigen die Mindestwerte der US-Norm FMVSS 116 für die Sorte DOT 4: frisch mindestens 230 Grad, mit einigen Prozent aufgenommenem Wasser nur noch mindestens 155 Grad. Auf einer langen Passabfahrt werden die Bremsen besonders heiß, und dann zählt jedes Grad Reserve. Wechseln Sie die Bremsflüssigkeit deshalb unabhängig vom Kilometerstand spätestens alle zwei Jahre und sehen Sie vor der Reise ins Serviceheft, wann es zuletzt war. Die Werkstatt kann den Siedepunkt messen, wenn Sie unsicher sind.

Am Berg schonen Sie die Bremse mit dem richtigen Gang. Wählen Sie bergab einen Gang, in dem das Auto beim Rollen ungefähr die gewünschte Geschwindigkeit hält. Bei älteren Automatikgetrieben schalten Sie dazu von Hand zurück oder auf die Stufe B oder S. Rollen Sie nie ausgekuppelt oder mit abgestelltem Motor ins Tal. Mit abgestelltem Motor fallen Servolenkung und Bremskraftverstärker aus, ausgekuppelt fehlt die Motorbremse, und die Bremsen können überhitzen.

Die vier Ziffern hinter DOT verraten das Reifenalter

Auf der Reifenflanke steht eine lange Kennung mit den Buchstaben DOT. Ihr letzter Block aus vier Ziffern, oft in einem kleinen Oval, ist das Herstellungsdatum. Die ersten beiden Ziffern nennen die Woche, die letzten beiden das Jahr, 1024 bedeutet also die zehnte Woche 2024. Das Datum ist meist nur auf einer Seite eingeprägt und zeigt manchmal nach innen. Leuchten Sie dann mit der Handylampe zwischen Rad und Radkasten.

Eine gesetzliche Altersgrenze für Pkw-Reifen gibt es nicht, das Gummi verhärtet aber mit den Jahren. Winterreifen verlieren ab etwa sechs Jahren einen Teil ihrer Wintereigenschaften und sollten nicht älter als acht Jahre sein. Der ADAC rät, Pkw-Reifen höchstens zehn Jahre zu fahren, eine Vorschrift dazu gibt es nicht. Ziehen Sie einen Wohnwagen oder Anhänger mit Tempo-100-Zulassung, wird das Datum zur Rechtsfrage: Die Reifen des Anhängers müssen jünger als sechs Jahre sein, sonst gilt für das Gespann wieder Tempo 80.

Neben der Größe steht auf der Flanke der Lastindex, eine Zahl wie 91, gefolgt von einem Buchstaben. Die 91 steht für 615 Kilogramm Tragfähigkeit je Reifen bei 2,5 bar, und mit weniger Luft trägt der Reifen weniger. Deshalb gehört vor einer vollen Fahrt der höhere Fülldruck auf die Reifen, wie wir es im Beitrag zum Reifendruck erklären. Die eingetragenen Reifengrößen finden Sie im Fahrzeugschein in den Feldern 15.1 und 15.2.

Das Notrad braucht 4,2 bar

Bei der Druckkontrolle vergessen viele das Notrad, das schmale Ersatzrad mit einem T vor der Größenangabe. Es braucht in der Regel 4,2 bar, also deutlich mehr als die normalen Reifen, sonst trägt es das Auto nicht. Mit dem Notrad fahren Sie meist höchstens 80 km/h, und es ist nur für den Weg bis zur nächsten Werkstatt gedacht. Hat Ihr Auto statt eines Ersatzrads ein Pannenset mit Dichtmittel, sehen Sie auf die Flasche: Das Mittel hat ein Ablaufdatum. Ersetzen Sie es selbst, bevor die Werkstatt bei der nächsten Inspektion ein teureres Originalset einbaut.

Im Leergewicht steckt schon ein Fahrer

Ihre erlaubte Zuladung lesen Sie grob aus dem Fahrzeugschein ab: Feld F.2 nennt die zulässige Gesamtmasse, Feld G die Masse des fahrbereiten Autos. Die Differenz ist Ihre Zuladung. In Feld G sind nach EU-Recht bereits ein Fahrer mit 75 Kilogramm und ein zu mindestens 90 Prozent gefüllter Tank enthalten. Sonderausstattung zählt dagegen nicht mit, und der eingetragene Wert darf um bis zu drei Prozent vom gewogenen abweichen. Ein Auto mit Schiebedach, großen Rädern und nachgerüsteter Anhängerkupplung hat deshalb oft spürbar weniger Reserve, als die Rechnung verspricht.

Rechnen Sie für jeden Mitfahrer mit denselben 75 Kilogramm, die für den Fahrer angesetzt sind, wiegen drei Mitfahrer schon 225 Kilogramm, bevor der erste Koffer im Auto liegt. Eine Überladung von mehr als fünf Prozent kostet 10 Euro, ab mehr als 20 Prozent sind es 95 Euro und ein Punkt in Flensburg, ab mehr als 30 Prozent 235 Euro. Bei einer Kontrolle dürfen Sie erst weiterfahren, wenn das Gewicht wieder stimmt, und das heißt Ausladen an Ort und Stelle. Achten Sie außerdem auf die Achslasten in den Feldern 8.1 und 8.2. Gepäck im Kofferraum belastet die Hinterachse mit etwa 110 Prozent seines Gewichts. Sicherheit gibt nur eine Waage, etwa eine öffentliche Fahrzeugwaage. Tipps zum sicheren Verstauen stehen in unserem Beitrag zur Ladungssicherung, die Grenzen auf dem Dach im Beitrag zur Dachbox.

Der Fahrradträger zählt gegen die Stützlast

Ein Fahrradträger auf der Anhängerkupplung hängt mit seinem ganzen Gewicht an einem Punkt hinter dem Heck. Die erlaubte Last an diesem Punkt nennt der Fahrzeugschein in Feld 13 als Stützlast. Die Kupplung selbst hat ein eigenes Typenschild mit einem eigenen Wert, und von beiden gilt der kleinere. Gegen diese Grenze zählen der Träger und die Räder gemeinsam.

Ein vom ADAC gewogener Kupplungsträger für zwei Räder brachte 18 Kilogramm auf die Waage. Bei 75 Kilogramm Stützlast bleiben damit 57 Kilogramm für die Fahrräder. E-Bikes wiegen meist deutlich über 20 Kilogramm, zwei davon reizen die Grenze also aus. Bei Autos mit 50 oder 60 Kilogramm Stützlast reicht es dann nicht mehr. Nehmen Sie die Akkus vor der Fahrt ab und legen Sie sie in den Innenraum, dort zählen sie zur Zuladung. Taschen und Körbe kommen ab, und Schutzhüllen bleiben zu Hause, weil sie wie ein Bremsfallschirm wirken.

Grünes Mountainbike auf einem Dachträger über einem weißen Auto, im Hintergrund Kiefern unter blauem Himmel
Ob auf dem Dach oder an der Anhängerkupplung: Jedes Fahrrad zählt zur Zuladung, am Kupplungsträger zusätzlich zur Stützlast.

Die Last am Heck wirkt außerdem wie ein Hebel. 75 Kilogramm auf dem Träger drücken mit 109 Kilogramm auf die Hinterachse und nehmen der Vorderachse 34 Kilogramm ab. Die Vorderachse wird leichter, und die Scheinwerfer zielen höher. Hat Ihr Auto keine automatische Leuchtweitenregelung, drehen Sie das Rädchen am Armaturenbrett mit der Beladung herunter und nach dem Ausladen wieder auf null. Die passende Stufe für Ihre Beladung steht in der Betriebsanleitung.

Die Papiere kennen Ihr Auto am besten

Für all das brauchen Sie keine Hebebühne. Es genügen der Fahrzeugschein, die Betriebsanleitung und eine Viertelstunde am Abend vor der Abfahrt. Den Rest, etwa den Zustand der Bremsflüssigkeit, prüft die Werkstatt in wenigen Minuten. Danach fahren Sie mit Zahlen los statt mit einem Gefühl.

Fotos: Pexels

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