Wenige Minuten an der Luftstation genügen. Wer den Reifendruck regelmäßig kontrolliert, fährt sicherer und merkt einen schleichenden Plattfuß, lange bevor er zum Problem wird.

Kaum etwas an Ihrem Auto ist so schnell kontrolliert und so leicht vergessen wie der Reifendruck. Dabei lohnt es sich, den Reifendruck zu prüfen, bevor Sie eine längere Strecke fahren, denn der richtige Wert sorgt für mehr Sicherheit, weniger Verbrauch und längere Haltbarkeit der Reifen. Sie brauchen dafür nur wenige Minuten an der Tankstelle und kein Werkzeug. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wo der passende Wert für Ihr Auto steht, wie Sie ihn richtig ablesen und wie Sie an der Luftstation korrekt auffüllen.

Was der richtige Reifendruck bewirkt

Der Luftdruck im Reifen trägt das gesamte Gewicht Ihres Autos und entscheidet darüber, wie es auf der Straße liegt. Ist der Druck zu niedrig, walkt der Reifen stärker, wird heiß und nutzt sich an den Flanken schneller ab. Im Sommer kann ein deutlich zu weicher Reifen bei hoher Geschwindigkeit sogar platzen. Zu wenig Druck verlängert außerdem den Bremsweg und erhöht den Spritverbrauch spürbar, weil der Reifen mehr Rollwiderstand hat.

Ist der Druck dagegen zu hoch, liegt nur noch ein schmaler Streifen des Reifens auf der Fahrbahn. Das Auto wird unruhiger, die Reifenmitte verschleißt schneller und der Grip bei Nässe lässt nach. Der richtige Reifendruck liegt genau dazwischen und ist für jedes Auto im Werk festgelegt. Ihn einzuhalten kostet nichts und ist eine der wirksamsten Maßnahmen für sicheres und sparsames Fahren.

Wo Sie den passenden Wert für Ihr Auto finden

Den vorgeschriebenen Reifendruck müssen Sie nicht raten, denn der Hersteller hat ihn für Ihr Modell hinterlegt. Am häufigsten finden Sie die Werte auf einem Aufkleber im Rahmen der Fahrertür, sichtbar wenn die Tür offen steht. Bei manchen Autos steht die Tabelle auch innen am Tankdeckel oder im Handbuch im Handschuhfach. Die Angaben gelten für die Reifengröße, die ab Werk montiert ist.

Auf dem Aufkleber stehen meist zwei Werte je Achse. Der niedrigere gilt für die normale Beladung mit ein bis zwei Personen, der höhere für das voll beladene Auto mit Gepäck und mehreren Mitfahrern. Notieren Sie sich beide Werte oder fotografieren Sie den Aufkleber mit dem Handy, dann haben Sie sie an der Tankstelle griffbereit. So müssen Sie nicht jedes Mal die Tür öffnen und nachschauen.

Den Reifendruck im kalten Zustand messen

Die Herstellerangaben gelten immer für kalte Reifen, also bevor Sie längere Strecken gefahren sind. Beim Fahren erwärmt sich die Luft im Reifen und dehnt sich aus, der gemessene Druck steigt dann um etwa 0,2 bis 0,3 bar. Messen Sie deshalb am besten morgens vor der ersten Fahrt oder nach einer kurzen Strecke von wenigen Kilometern bis zur nächsten Tankstelle. Den Reifendruck prüfen Sie an allen vier Rädern, denn die Werte können sich unterscheiden.

Reifendruck im kalten Zustand messen mit einem analogen Reifendruckprüfer am Ventil eines modernen Autos

Messen Sie kalt, denn warme Reifen zeigen einen höheren Wert. Liegt der Druck nach einer längeren Fahrt etwas über der Vorgabe, lassen Sie keine Luft ab, sondern prüfen lieber später im kalten Zustand erneut.

Haben Sie doch eine längere Strecke hinter sich und der Druck liegt leicht über dem Sollwert, ist das kein Grund, Luft abzulassen. Der Wert sinkt von selbst wieder, sobald die Reifen abkühlen. Vergessen Sie bei der Kontrolle das Reserverad nicht, falls Ihr Auto eines hat. Ein luftleeres Reserverad nützt Ihnen im Pannenfall wenig, und genau dann brauchen Sie es.

Den Druck an Beladung und Strecke anpassen

Für den Alltag mit leichtem Gepäck reicht der niedrigere Wert vom Aufkleber. Sobald Sie aber voll beladen in den Urlaub fahren, mit vier Personen, vollem Kofferraum und vielleicht einer Dachbox, stellen Sie den höheren Wert für volle Beladung ein. Das schützt die Reifen, hält das Auto stabil und sorgt dafür, dass der Bremsweg auch mit Gewicht kurz bleibt. Nach dem Urlaub stellen Sie wieder auf den normalen Wert zurück.

Auch wer regelmäßig schnell und lange auf der Autobahn unterwegs ist, fährt mit dem etwas höheren Druck sicherer. Ziehen Sie einen Anhänger, gelten für die Hinterachse oft eigene Werte, die Sie ebenfalls auf dem Aufkleber oder im Handbuch finden. Den passenden Reifendruck zu prüfen und an die jeweilige Fahrt anzupassen ist schnell erledigt und macht sich auf jeder längeren Strecke bezahlt.

So füllen Sie an der Tankstelle richtig auf

An fast jeder Tankstelle gibt es eine Luftstation, die Bedienung ist überall ähnlich. Schrauben Sie zuerst die kleine Ventilkappe ab und legen Sie sie sicher beiseite, damit sie nicht wegrollt. Stellen Sie am Gerät den gewünschten Wert ein und setzen Sie den Schlauchanschluss fest auf das Ventil, ein kurzes Zischen ist dabei normal. Das Gerät zeigt nun den aktuellen Druck an und füllt Luft nach oder lässt überschüssige ab, bis der Sollwert erreicht ist.

Reifen an der Luftstation der Tankstelle auffüllen, der Schlauch führt zum Rad eines modernen Autos

Sollwert am Gerät einstellen, Schlauch aufs Ventil, fertig. Die Luftstation füllt von selbst nach oder lässt ab, bis der eingestellte Reifendruck erreicht ist, und ein kurzer Signalton meldet das Ergebnis.

Nehmen Sie den Schlauch ab und schrauben Sie die Ventilkappe wieder auf, sie hält Schmutz und Feuchtigkeit vom Ventil fern. Arbeiten Sie sich der Reihe nach an allen vier Reifen entlang, damit Sie keinen vergessen. Mit etwas Übung haben Sie alle Räder in wenigen Minuten geprüft und richtig eingestellt. Beim nächsten Tankstopp geht es dann fast wie von selbst.

Wenn die Reifendruck-Warnleuchte aufleuchtet

Neuwagen müssen seit November 2014 ein Reifendruckkontrollsystem haben, fast alle neueren Autos überwachen den Reifendruck deshalb automatisch und warnen Sie mit einem gelben Symbol im Cockpit, wenn der Druck zu weit absinkt. Nehmen Sie diese Warnung ernst und prüfen Sie bei nächster Gelegenheit alle Reifen. Oft steckt ein langsamer Druckverlust dahinter, etwa durch einen eingefahrenen Nagel oder ein undichtes Ventil. Manchmal hat sich der Druck auch nur durch kältere Temperaturen verändert, dann genügt das Nachfüllen auf den Sollwert.

Verliert ein Reifen immer wieder Luft, obwohl Sie ihn aufgefüllt haben, fahren Sie ihn in der Werkstatt vorführen. Liegt der Schaden in der Lauffläche, lässt sich ein schleichender Platten oft günstig reparieren, solange Sie ihn früh bemerken. Sitzt der Schaden dagegen an der Reifenflanke, muss der Reifen ersetzt werden. Ignorieren Sie die Warnleuchte dagegen über längere Zeit, riskieren Sie einen beschädigten Reifen und eine Panne. Nach dem Auffüllen müssen Sie das System bei manchen Modellen kurz zurücksetzen, wie das geht, steht im Handbuch.

Eine kleine Gewohnheit mit großer Wirkung

Den Reifendruck zu prüfen kostet Sie ein paar Minuten, am besten etwa alle zwei Wochen und vor jeder längeren Fahrt, und kaum eine andere Kontrolle bringt im Verhältnis so viel. Sie fahren sicherer, sparen bei jedem Tanken ein wenig und Ihre Reifen halten deutlich länger. Machen Sie es sich zur Routine, den Druck beim Tanken gleich mitzuerledigen. Dann haben Sie immer das gute Gefühl, auf vier gut gefüllten Reifen unterwegs zu sein.

Fotos: Textnetz, Generiert mit KI