Nach der Zeitumstellung fällt die Heimfahrt in die Dämmerung. Das Abblendlicht reicht weiter, als das Auge Hindernisse am Rand erkennt.
Am letzten Sonntag im Oktober, in diesem Jahr am 25., werden die Uhren um drei Uhr nachts auf zwei Uhr zurückgestellt. Am Montag darauf fahren viele Menschen zum ersten Mal seit Monaten im Dunkeln nach Hause. Die Strecke ist dieselbe wie im Sommer, das Auto auch. Geändert haben sich die Bedingungen: Die Augen sehen im Dunkeln weniger, als sie uns glauben lassen, und unter den Bäumen liegt bald eine Schicht, die bremst wie dünner Schnee. Autofahren im Herbst verlangt deshalb vor allem ein paar neue Zahlen im Kopf. Mit ihnen fahren Sie anders, ohne langsamer anzukommen, als Sie müssten.
Beim Autofahren im Herbst wird die Dämmerung zur Hauptverkehrszeit
Nach der Zeitumstellung fällt der Feierabendverkehr in die Stunde, in der es dunkel wird. Für Menschen zu Fuß ist das die gefährlichste Zeit des Jahres. 2020 starb fast die Hälfte aller getöteten Fußgängerinnen und Fußgänger in Deutschland bei Dämmerung oder Dunkelheit, außerhalb geschlossener Ortschaften waren es knapp drei Viertel. Das zeigt die amtliche Unfallstatistik des Statistischen Bundesamts.
Dazu kommt das Wild, das in der Dämmerung unterwegs ist und jetzt dann die Straßen quert, wenn die Pendler kommen. Ihm widmen wir einen eigenen Beitrag. Der Blick ins Dunkel ist in diesen Wochen deshalb kein Nebenschauplatz. Er ist der Kern sicheren Fahrens.
25 Meter Sicht und 40 Meter Anhalteweg
Ein Fußgänger in dunkler Kleidung ist im Abblendlicht erst aus etwa 25 Metern zu erkennen. Mit reflektierendem Material an Jacke oder Tasche sind es bis zu 140 Meter. Diese Spanne ist der eigentliche Grund, warum die Dunkelheit so viele Unfälle bringt, und sie wird greifbar, sobald Sie sie neben den Anhalteweg legen.
Nach der Faustformel aus der Fahrschule braucht ein Auto bei Tempo 50 rund 40 Meter, bis es steht. Darin stecken Reaktionsweg und Bremsweg. Selbst bei einer Gefahrbremsung sind es noch knapp 28 Meter. Bei Tempo 70 liegt der normale Anhalteweg bei rund 70 Metern, bei Tempo 100 bei 130 Metern. Die Hell-Dunkel-Grenze des Abblendlichts liegt dagegen nur etwa 50 bis 100 Meter vor dem Auto. Sie können also schon im Stadtverkehr auf einen dunkel gekleideten Menschen zufahren, den Sie erst sehen, wenn das Anhalten kaum noch reicht.
Die Straßenverkehrs-Ordnung verlangt in § 3, dass Sie innerhalb der übersehbaren Strecke halten können. Gerichte nehmen das genau. Das Oberlandesgericht Köln hielt 2002 auf einer nassen Landstraße mit Abblendlicht schon mehr als 40 km/h für zu schnell (Az. 3 U 26/02). Für den Alltag heißt das: Fernlicht ist außerhalb beleuchteter Straßen erlaubt, und Sie sollten es dort nutzen, solange niemand entgegenkommt oder dicht vor Ihnen fährt. Auf unbeleuchteten Strecken mit Abblendlicht kostet ein etwas langsameres Tempo nur Sekunden, es verlängert aber die Zeit, in der Sie noch reagieren können.
Der Sehtest im Führerschein prüft nur das Tagsehen
Beim Pkw-Führerschein wird nur die Sehschärfe bei Tageslicht verlangt. Dämmerungssehen und Blendempfindlichkeit müssen nur Berufsfahrer nachweisen, etwa für Lkw, Bus oder Taxi. Viele merken deshalb nicht, dass ihre Augen nachts nachlassen. Schon beim Sehen am Tag liegt die eigene Einschätzung oft daneben: Bei einer Untersuchung der Bundesanstalt für Straßenwesen mit 377 älteren Autofahrern (Durchschnittsalter 72) hielten 99 Prozent ihre Sicht für gut. Gut 16 Prozent lagen aber unter der Sehschärfe, die man für den Sehtest zum Führerschein braucht.
Mit den Jahren lassen Dämmerungssehen und Blendempfindlichkeit nach, oft lange bevor die Sehschärfe am Tag leidet. Manche Menschen werden im Dunkeln außerdem leicht kurzsichtig. Das nennt sich Nachtmyopie, und eine eigene Brillenstärke für Nachtfahrten kann sie ausgleichen. Augenärztinnen und Augenärzte können Dämmerungssehen und Blendung gezielt messen. Ab etwa 60 lohnt eine regelmäßige Untersuchung, und auch vorher, wenn Sie bei Gegenverkehr länger als früher brauchen, bis Sie wieder klar sehen.
Von gelb getönten Nachtfahrbrillen sollten Sie die Finger lassen. Eine Untersuchung der Universitäts-Augenklinik Tübingen fand keinen Vorteil, mitunter verschlechterte sich die Sicht damit sogar. Die Norm für Brillengläser (DIN EN ISO 8980-3) schreibt vor, dass Gläser, die weniger als 75 Prozent des Lichts durchlassen, in der Dämmerung und nachts am Steuer nicht getragen werden dürfen. Hilfreich ist eine gute Entspiegelung auf klaren Gläsern.
Blendung beginnt oft am eigenen Scheinwerfer
Beim Licht-Sicht-Test 2025 des Kfz-Gewerbes hatten 27,8 Prozent der geprüften Autos Mängel an der Beleuchtung. 9,5 Prozent waren zu hoch eingestellt und blendeten damit den Gegenverkehr, 8,5 Prozent leuchteten zu tief und nahmen ihren Fahrern Sicht. Beides fällt vom Fahrersitz aus kaum auf.
Ein häufiger Grund ist die Beladung. Sitzen hinten Erwachsene oder ist der Kofferraum voll, hebt sich die Front, und das Licht zielt höher. Viele Autos haben dafür ein Rädchen für die Leuchtweite neben dem Lenkrad. Stellen Sie es bei voller Beladung so ein, dass das Licht tiefer zielt, meist ist das eine höhere Ziffer. Autos mit automatischer Regulierung erledigen das selbst. Werden Sie selbst geblendet, richten Sie den Blick an den rechten Fahrbahnrand und orientieren Sie sich an der Linie, bis das Auto vorbei ist. Ein Schleier auf der Innenseite der Frontscheibe streut Gegenlicht zusätzlich, deshalb lohnt es, die Scheibe im Herbst auch innen zu putzen.
Unser Tipp: Licht-Test im Oktober nutzen
Im ganzen Oktober prüfen Kfz-Meisterbetriebe beim Licht-Sicht-Test Scheinwerfer und Leuchten. Auf Wunsch sehen sie sich auch Wischer und Reifen an, dazu die Frontscheibe. Kleine Mängel beheben die Betriebe in der Regel sofort und ohne Kosten für die Arbeit, nur Ersatzteile werden berechnet. Die Plakette an der Scheibe zeigt danach, dass das Licht stimmt.
Im Nebel helfen die Leitpfosten beim Schätzen
Im Nebel verschätzen sich die meisten, weil eine graue Fläche keinen Maßstab hat. Die weißen Leitpfosten am Straßenrand liefern ihn. Sie stehen in der Regel im Abstand von 50 Metern, in Kurven allerdings enger. Sehen Sie auf gerader Strecke nur noch den nächsten Pfosten, beträgt die Sicht weniger als 50 Meter. Dann sind höchstens 50 km/h erlaubt, auch auf der Autobahn.
Erst ab dieser Sichtweite darf die Nebelschlussleuchte an, und nur bei Nebel. Bei starkem Regen oder Schneefall bleibt sie aus, auch wenn die Sicht schlecht ist, weil das grelle Rot den Hintermann sonst blendet. Falsch eingesetzt kostet sie 20 Euro.
Schalten Sie das Abblendlicht im Nebel von Hand ein. Die Lichtautomatik reagiert auf Helligkeit und hält tagsüber auch bei dichtem Nebel oft das Tagfahrlicht für ausreichend, und dabei bleiben bei vielen Autos die Rückleuchten dunkel. Fernlicht ist im Nebel keine Hilfe, es wird von den Wassertröpfchen zurückgeworfen und blendet Sie selbst. Halten Sie in Metern mindestens so viel Abstand, wie der Tacho Kilometer pro Stunde anzeigt, bei Tempo 50 also einen Leitpfosten-Abstand. Hängen Sie sich nicht an fremde Rückleuchten, denn Massenkarambolagen beginnen meist damit, dass jemand vor einer Nebelwand plötzlich bremst. Nähern Sie sich einem Stau, dürfen Sie den Warnblinker einschalten.

Nasses Laub bremst wie eine dünne Schneedecke
Trockenes Laub ist auf dem Asphalt kaum ein Problem. Wird es nass, sinkt die Haftung der Reifen auf etwa die Hälfte. Forschungsergebnisse der Technischen Universität Darmstadt nennen für trockenes Laub einen Reibwert von über 0,6 und für nasses Laub etwa 0,3. Zum Vergleich liegt Eis um den Gefrierpunkt bei 0,1 bis 0,2. Rechnerisch verlängert sich der reine Bremsweg aus Tempo 50 damit von gut 12 Metern auf trockener Straße auf rund 33 Meter.
Tückisch ist, dass nasse und trockene Stellen wechseln, ohne dass Sie es sehen. Ein Fleck unter einer Baumreihe reicht, damit das Auto beim Bremsen in der Kurve geradeaus schiebt. Fahren Sie unter Bäumen und auf Alleen deshalb vorausschauend, bremsen Sie vor der Kurve statt in ihr, und lassen Sie mehr Abstand.
Die ersten Frostnächte bringen eine zweite Falle. Brücken kühlen in klaren Nächten von oben und unten aus und können glatt sein, während das Außenthermometer im Auto noch Plusgrade zeigt, weil es die Luft misst und nicht die Fahrbahn. Für das Profil gilt gesetzlich ein Minimum von 1,6 Millimetern. Auf nassem Laub und Matsch greift ein Reifen mit vier Millimetern und mehr spürbar besser.
Klare Scheiben von innen sind halbe Sicht
Beschlägt die Scheibe von innen, schalten Sie das Gebläse auf die höchste Stufe, die Luft auf die Frontscheibe und die Klimaanlage ein. Sie entzieht der Luft Feuchtigkeit, und das ist im Herbst ihre wichtigste Aufgabe. Der Umluftbetrieb sollte dabei aus sein, denn er hält die feuchte Luft im Innenraum.
Die Feuchtigkeit kommt meist von nassen Jacken und Fußmatten. Nehmen Sie nasse Matten nach Regenfahrten heraus und lassen Sie sie im Haus trocknen. Füllen Sie außerdem rechtzeitig Waschwasser mit Frostschutz nach, bevor die erste kalte Nacht die Düsen zufrieren lässt. Kratzen Sie morgens nur ein kleines Guckloch in die vereiste Scheibe, riskieren Sie ein Verwarnungsgeld von 10 Euro und vor allem einen Fußgänger, der hinter dem Eis unsichtbar bleibt.
Ein paar Minuten mehr für den Heimweg
Die dunklen Wochen dauern bis in den März: Abends wird es erst Ende Februar zum Feierabend wieder hell, morgens liegt der Arbeitsweg noch bis in den März hinein in der Dämmerung. Die meisten Fahrten in dieser Zeit verlaufen ohne jeden Zwischenfall. Planen Sie für den Heimweg fünf Minuten mehr ein, dann bleibt das Tempo eine Entscheidung und kein Zeitdruck.
Fotos: Textnetz, Generiert mit KI














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