Zum Inhalt springen

E-Auto im Winter nutzen ohne Reichweitenverlust

5 Minuten Lesezeit
Elektroauto lädt im Winter am Morgen an der Wallbox, Windschutzscheibe eisfrei, Nachbarfahrzeug vereist

Solange das Kabel steckt, kommt beim E-Auto im Winter die Wärme aus dem Netz statt aus der Batterie. Der Unterschied zeigt sich direkt an der Scheibe und an der Restreichweite.

Die erste kalte Woche im November ist für viele Elektroautofahrer der Moment, in dem die Anzeige plötzlich anders aussieht. Statt 340 Kilometer steht da 240, und das bei vollem Akku. Dieser Verlust ist weder zufällig noch unbeeinflussbar. Wenn Sie wissen, wohin die Energie im Winter geht, können Sie einen erheblichen Teil davon zurückholen, und zwar mit Handgriffen, die nichts kosten. Die Reichweite eines E-Autos im Winter ist weniger eine Eigenschaft des Fahrzeugs als eine Frage der Bedienung.

Drei Verluste, die sich addieren

Der größte Posten ist das Heizen. Ein Verbrenner erzeugt beim Fahren so viel Abwärme, dass die Innenraumheizung praktisch kostenlos ist. Ein Elektroantrieb ist zu effizient dafür und muss die Wärme aktiv produzieren. Je nach Fahrzeug und Außentemperatur zieht das zwischen zwei und fünf Kilowatt, im Stadtverkehr also spürbar mehr als der Antrieb selbst.

Der zweite Posten ist die Batterie. Lithium-Ionen-Zellen arbeiten am besten zwischen etwa 20 und 40 Grad. Bei null Grad steigt der Innenwiderstand, weniger Energie ist nutzbar, und die Zelle nimmt beim Laden weniger auf. Ein Teil der scheinbar verschwundenen Kapazität ist deshalb nicht weg, sondern nur vorübergehend nicht abrufbar.

Der dritte Posten wird meist vergessen und betrifft jedes Auto: Kalte Luft ist dichter, der Luftwiderstand steigt. Winterreifen haben mehr Rollwiderstand als Sommerreifen, und bei Kälte fällt der Reifendruck. Zehn Grad weniger Außentemperatur bedeuten etwa 0,1 bar weniger Druck, und das kostet messbar Energie.

In der Summe liegen realistische Winterverluste bei zwanzig bis dreißig Prozent gegenüber milden Bedingungen, im Kurzstreckenbetrieb bei Frost auch darüber. Wenn Sie überwiegend längere Strecken fahren, kommen Sie deutlich besser weg, weil sich der Heizaufwand über mehr Kilometer verteilt.

Vorkonditionieren ist der wirksamste Hebel

Wenn das Auto an der Wallbox oder an der Steckdose hängt, kommt die Energie zum Aufheizen aus dem Netz und nicht aus der Batterie. Fast alle aktuellen Modelle können Innenraum und Batterie zeitgesteuert oder per App vorwärmen, während das Kabel noch steckt.

Der Effekt ist doppelt. Sie steigen in ein warmes, eisfreies Auto und starten mit voller nutzbarer Kapazität, weil die Zellen bereits im günstigen Temperaturbereich sind. Auf einer Strecke von fünfzig Kilometern bei minus fünf Grad macht das schnell zwanzig bis dreißig Kilometer Unterschied aus.

Wichtig ist die Einstellung im Fahrzeugmenü. Viele Autos konditionieren ab Werk nur den Innenraum, nicht die Batterie. Suchen Sie nach Begriffen wie Batterievorheizung oder Preconditioning und aktivieren Sie beides. Und stellen Sie die Abfahrtszeit realistisch ein, denn das Vorheizen beginnt je nach Modell zwanzig bis sechzig Minuten vorher.

Sitzheizung schlägt Gebläse

Der Innenraum wird über die Luft geheizt, und Luft ist ein schlechter Wärmeträger. Sitz- und Lenkradheizung wirken dagegen direkt am Körper und brauchen zusammen selten mehr als 200 Watt, also einen Bruchteil dessen, was die Klimaanlage zieht.

Die praktische Regel lautet: erst Sitz und Lenkrad an, dann die Luftheizung auf ein moderates Niveau, statt umgekehrt. Wenn Sie die Innenraumtemperatur von 22 auf 19 Grad senken und die Sitzheizung nutzen, spüren Sie kaum einen Unterschied und sparen auf einer Winterfahrt oft mehrere Kilowattstunden.

Umluft hilft ebenfalls, sobald der Innenraum warm ist, weil dann nicht ständig kalte Außenluft aufgeheizt werden muss. Bei beschlagenen Scheiben muss sie allerdings raus, sonst steigt die Feuchtigkeit im Fahrzeug. Ein guter Kompromiss ist Umluft auf der Fahrt und Frischluft in den ersten Minuten.

Wärmepumpe oder Heizstab

Fahrzeuge mit Wärmepumpe holen einen Teil der Heizenergie aus der Umgebungsluft und aus der Abwärme von Antrieb und Batterie. Statt einer Kilowattstunde Strom für eine Kilowattstunde Wärme liefern sie im günstigen Bereich das Zwei- bis Dreifache. Bei moderaten Minusgraden ist der Unterschied zur reinen Widerstandsheizung erheblich.

Bei sehr tiefen Temperaturen unter etwa minus zehn Grad nähern sich beide Systeme wieder an, weil die Wärmepumpe der kalten Luft kaum noch Energie entziehen kann. Sie ist also kein Allheilmittel, aber in mitteleuropäischen Wintern die meiste Zeit im Vorteil.

Beim Gebrauchtkauf lohnt der Blick in die Ausstattungsliste. Die Wärmepumpe war lange ein Aufpreisposten, und zwei baugleiche Fahrzeuge können sich im Winterverbrauch deutlich unterscheiden. Nachrüsten lässt sie sich nicht.

Am Schnelllader zählt die Batterietemperatur

Wenn Sie im Winter an der Schnellladesäule statt der erwarteten 150 Kilowatt nur 50 sehen, ist meist nicht der Lader defekt, sondern die Batterie kalt. Das Batteriemanagement begrenzt die Leistung, um die Zellen zu schützen, denn Laden mit hoher Leistung bei niedriger Temperatur schädigt sie dauerhaft.

Elektroauto lädt an einer Schnellladesäule im Winter, Schnee am Rand der Parkbucht
Eine kalte Batterie nimmt weniger Leistung auf. Geben Sie den Ladepunkt im Navigationssystem als Ziel ein, heizt das Fahrzeug die Zellen vorher auf.

Viele Fahrzeuge heizen die Batterie automatisch vor, wenn Sie einen Schnellladepunkt im Navigationssystem als Ziel eingeben. Deshalb funktioniert die Routenplanung über das eingebaute Navi im Winter besser als die Suche per Handy. Prüfen Sie, ob Ihr Modell das unterstützt, und nutzen Sie es konsequent.

Zusätzlich hilft, den Ladestopp nach einer längeren Fahrt einzuplanen statt gleich nach dem Start. Nach vierzig Minuten Autobahn ist die Batterie warm, und die Ladekurve sieht völlig anders aus als nach einer kalten Nacht.

Im Frost verliert ein stehendes E-Auto langsam Ladung

Ein E-Auto, das mehrere Wochen bei Frost steht, verliert langsam Ladung, weil Steuergeräte weiterlaufen. Für längere Standzeiten ist ein Ladestand zwischen 50 und 80 Prozent günstiger als ein voller oder fast leerer Akku. Wenn möglich, lassen Sie das Fahrzeug am Kabel, damit es sich selbst versorgen kann.

Messgerät an den Polen der Zwölf-Volt-Batterie eines Elektroautos, Frost auf der Motorhaube
Der häufigste Grund für ein liegengebliebenes E-Auto ist nicht die Antriebsbatterie, sondern die kleine Zwölf-Volt-Batterie. Nach vier bis fünf Jahren gehört sie geprüft.

Der häufigste Grund für ein liegengebliebenes Elektroauto ist nicht die Antriebsbatterie, sondern die kleine Zwölf-Volt-Batterie. Sie versorgt Bordelektronik und Schließsystem, altert genau wie in jedem Verbrenner und macht bei Kälte als Erstes schlapp. Nach vier bis fünf Jahren gehört sie geprüft.

Wenn Sie über Wochen nur Kurzstrecken fahren, planen Sie gelegentlich eine längere Fahrt ein. Das wärmt die Batterie durch, gleicht die Zellen aus und ist auch für die Bremsen gut, die bei überwiegender Rekuperation kaum benutzt werden und rosten.

Vier Gewohnheiten holen einen großen Teil der Reichweite zurück

Vorkonditionieren am Kabel, Sitzheizung statt Gebläse, Reifendruck prüfen und den Ladestopp mit warmer Batterie planen: Diese vier Gewohnheiten fangen zusammen einen großen Teil des Verlusts auf. Nach der ersten kalten Woche hat sich das eingespielt, und die Anzeige im Februar sieht deutlich freundlicher aus als die am ersten Frosttag im November.

Fotos: Textnetz, Generiert mit KI

0 Kommentare

Kommentar absenden

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Neueste Beiträge