Steinschlag reparieren und Marderschäden wirksam vorbeugen

5 Minuten Lesezeit
Kleiner sternförmiger Steinschlag in der Windschutzscheibe eines Autos

Kleiner als fünf Millimeter, außerhalb des Sichtfelds und mindestens zehn Zentimeter vom Rand entfernt: Dann lässt sich ein Steinschlag meist reparieren. Abkleben schützt bis zum Termin.

Ein Steinschlag in der Windschutzscheibe kostet als Reparatur meist nichts, als neue Scheibe dagegen schnell mehrere hundert Euro. Den Unterschied machen oft wenige Tage. Ähnlich ist es mit einer angenagten Leitung im Motorraum oder einem Lackpickel nach der Baustellenfahrt: Handeln Sie rechtzeitig, bleiben diese Schäden klein.

Glasschäden sind der häufigste Teilkaskofall

2024 regulierten die Kfz-Versicherer nach Angaben ihres Verbands GDV rund 2,2 Millionen Glasbruchschäden an kaskoversicherten Autos und zahlten dafür fast zwei Milliarden Euro, im Schnitt 900 Euro je Schaden. In der Teilkasko kommt kein anderer Schaden so oft vor.

Auffällig ist die Preisentwicklung. Eine Windschutzscheibe kostet heute über 50 Prozent mehr als vor zehn Jahren, der durchschnittliche Glasschaden stieg allein 2024 um sieben Prozent. Ein weiterer Grund steckt in der Elektronik: Nach dem Austausch einer Windschutzscheibe müssen die dahinterliegenden Kameras und Sensoren neu kalibriert werden, sonst arbeiten Notbrems- und Spurhalteassistent ungenau. Diese Kalibrierung ist ein eigener Arbeitsgang mit eigenem Preisschild.

Beim Steinschlag entscheidet die Woche danach

Ein frischer Steinschlag ist oft reparierbar, ein gewachsener Riss nie. Entscheidend sind Größe und Lage. Nach den Kriterien des ADAC sollte der Schaden kleiner als fünf Millimeter sein. Er muss mindestens zehn Zentimeter vom Scheibenrand entfernt und außerhalb des Sichtfelds des Fahrers liegen. Dann lässt sich der Einschlag mit Harz verfüllen. Der Vorgang dauert rund 30 Minuten, die Scheibe bleibt drin, und die Assistenzsysteme müssen nicht kalibriert werden.

Wichtig ist das Tempo. Temperaturwechsel arbeiten für den Riss. Enteisen Sie bei Frost mit heißem Wasser oder lassen Sie die Standheizung auf die vereiste Scheibe blasen, kann aus dem Punkt in Sekunden ein Riss über die halbe Scheibe werden. Kleben Sie den Einschlag bis zum Termin mit durchsichtigem Klebeband ab, damit kein Schmutz und keine Feuchtigkeit eindringen. Verschmutzte Einschläge lassen sich schlechter reparieren.

Die Teilkasko zahlt den Glasschaden

Zuständig ist die Teilkasko, die auch in der Vollkasko enthalten ist. Die Kfz-Haftpflicht kommt für Schäden an der eigenen Scheibe nicht auf. Eine reine Steinschlagreparatur übernimmt die Teilkasko in der Regel ohne Selbstbeteiligung. Beim kompletten Austausch wird die vereinbarte Selbstbeteiligung fällig.

Der wichtigste Punkt für viele: Ein über die Teilkasko abgewickelter Glasschaden führt nicht zur Höherstufung. In der Teilkasko gibt es keine Schadenfreiheitsklassen, Sie zahlen eine feste Prämie. Anders sieht es aus, wenn Lackschäden durch Steinschlag über die Vollkasko laufen, denn dort wirkt sich der Schaden auf die Einstufung aus.

Marder handeln nach ihrer eigenen Logik

Marder beißen nicht aus Hunger, sondern aus Revierverhalten. Riecht ein Tier im Motorraum die Spuren eines Artgenossen, reagiert es aggressiv auf alles, was sich beißen lässt: Zündkabel, Faltenbälge an der Lenkung, Dämmmatten, Kühlwasserschläuche. Deshalb trifft es häufig Fahrzeuge, die zwischen zwei Standorten pendeln und dabei fremde Duftmarken mitbringen.

Die Zahlen entwickeln sich immerhin in die richtige Richtung. In der Schadenbilanz des Leasinganbieters Ayvens, der für 2025 über 53.000 Schäden an Flottenfahrzeugen ausgewertet hat, sank die Zahl der Marderschäden um knapp zwölf Prozent. Der Schaden am Bauteil selbst ist meist überschaubar, teuer wird es, wenn Kühlwasser ausläuft und der Motor Schaden nimmt. Ein angebissener Schlauch, der zwei Tage später auf der Autobahn platzt, kostet ein Vielfaches der eigentlichen Reparatur.

Gitter und Motorwäsche halten Marder fern

Am wirksamsten ist die mechanische Barriere. Ein Unterbodenschutzgitter aus Draht, das den Zugang zum Motorraum versperrt, nimmt dem Tier die Gelegenheit. Für den Stellplatz gibt es Drahtgittermatten, die auf den Boden gelegt werden und die Marder wegen des unangenehmen Untergrunds meiden.

Angebissener Schlauch im Motorraum neben einem Drahtgitter als Marderschutz
Der Biss selbst ist meist billig, der geplatzte Kühlerschlauch auf der Autobahn nicht. Ohne Motorwäsche bleibt die Duftmarke und mit ihr das Problem.

Elektrische Abwehrgeräte mit Hochspannungskontaktplatten arbeiten ebenfalls zuverlässig, wobei Modelle mit mehreren Kontaktplatten die bessere Abdeckung bieten. Reine Ultraschallgeräte sind umstritten, weil Tiere sich an den Ton gewöhnen. Der wichtigste Schritt bleibt in jedem Fall die Reinigung: Solange die Duftmarke im Motorraum sitzt, kommt der Ärger wieder. Eine Motorwäsche in der Fachwerkstatt ist die Voraussetzung dafür, dass alle anderen Maßnahmen wirken.

Kleine Lackschäden selbst ausbessern

Ein Steinschlagpickel im Lack ist zunächst ein optisches Problem und wird zum technischen, sobald Feuchtigkeit an das Blech kommt. Rost beginnt genau dort. Die Ausbesserung ist bei kleinen Stellen gut selbst zu machen: Stelle reinigen und entfetten, losen Lack vorsichtig entfernen, bei blankem Blech einen Rostumwandler auftragen, dann Grundierung, danach Farblack in dünnen Schichten und zum Schluss Klarlack.

Hand bessert mit einem Lackstift einen Steinschlag am Lack einer Motorhaube aus
Vier dünne Schichten wirken besser als eine dicke. Den Farbcode finden Sie auf dem Typenschild im Türrahmen oder unter der Motorhaube.

Den passenden Farbcode finden Sie auf dem Typenschild, meist im Türrahmen, unter der Motorhaube oder im Kofferraum unter dem Bodenbelag. Arbeiten Sie bei Temperaturen über 15 Grad, tragen Sie lieber vier dünne als eine dicke Schicht auf und lassen Sie zwischen den Schichten mindestens 20 Minuten Zeit. Bei größeren Flächen, bei Kanten und bei Metallic-Lacken ist die Fachwerkstatt die bessere Wahl, weil dort ausgeblendet und poliert wird.

Vorbeugen kostet wenig

Ein paar Gewohnheiten reduzieren die typischen Parkplatzschäden deutlich. Halten Sie auf Baustellenstrecken größeren Abstand, dort ist Rollsplitt die Hauptursache für Steinschläge. Parken Sie nach Möglichkeit nicht unter Bäumen, in denen Marder unterwegs sind, und wechseln Sie den Stellplatz, wenn Sie Bissspuren finden.

Kontrollieren Sie den Motorraum zweimal im Jahr selbst, im Frühjahr und im Herbst. Sie müssen dabei nichts demontieren, ein Blick auf Schläuche, Kabel und Dämmmatten reicht. Angenagte Isolierungen sieht man auf Anhieb. Und lassen Sie einen Steinschlag im Lack nicht bis zum nächsten Werkstatttermin liegen, denn zwischen einem Lackpickel und einer rostigen Stelle liegen im Winter oft nur wenige Wochen.

Kleine Schäden, kurze Wege

Beim nächsten Waschgang lohnen zwei Minuten mehr: ein Blick auf die Scheibe, über den Lack und unter die Motorhaube. Was Sie dabei entdecken, ist meist noch klein und günstig zu beheben.

Fotos: Textnetz, Generiert mit KI

0 Kommentare

Kommentar absenden

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert