Die feinen Lamellen und breiten Rillen greifen in Schnee und verdrängen Wasser. Mit jedem abgefahrenen Millimeter Profiltiefe bei Winterreifen bleibt davon weniger übrig, lange bevor die gesetzliche Grenze erreicht ist.
An die Profiltiefe bei Winterreifen denken Sie vielleicht erst wieder, wenn die Räder im Herbst aus dem Keller kommen. Die Rillen sehen ordentlich aus, und das Gesetz ließe ohnehin noch Luft. Auf nasser Straße kann so ein Reifen trotzdem schon deutlich weniger leisten als im Neuzustand, lange bevor ihn jemand beanstandet. Mit einer Münze und ein paar Minuten vor der Garage bekommen Sie eine erste Einschätzung. Dann entscheiden Sie in Ruhe, ob sie noch einen Winter schaffen.
Die Profiltiefe von Winterreifen muss laut Gesetz nur 1,6 Millimeter betragen
In Deutschland gilt für Winterreifen dieselbe Grenze wie für Sommerreifen. Das Hauptprofil muss am ganzen Umfang mindestens 1,6 Millimeter tief sein (Quelle: § 36 Abs. 3 StVZO). Als Hauptprofil zählen die breiten Rillen im mittleren Bereich der Lauffläche, der etwa drei Viertel der Breite einnimmt. Messen Sie deshalb dort und nicht am Rand des Reifens.
Zum Vergleich: Neue Reifen haben meist 7 bis 9 Millimeter Profil, Winterreifen im Neuzustand auch 10 Millimeter (Quelle: ADAC). Von einem Winterreifen mit rund 8 Millimetern sind an der gesetzlichen Grenze also etwa vier Fünftel des Profils weg. Die 1,6 Millimeter sagen Ihnen, ab wann Sie nicht mehr fahren dürfen. Sie sagen nichts darüber, wie gut der Reifen dann noch greift.
Das Profil ist außerdem nur die eine Hälfte. Wintertauglich muss der Reifen auch sein, die nötige Kennzeichnung erklärt unser Vergleich Winterreifen oder Ganzjahresreifen.
Schon bei 4 Millimetern lässt der Winterreifen spürbar nach
Der ADAC hat fünf Winterreifen der Größe 185/65 R15 im Neuzustand mit rund 8 Millimetern gemessen, danach mit 4 und mit 2 Millimetern Restprofil (Quelle: ADAC). Die größten Einbußen zeigten sich dabei nicht im Schnee, sondern auf nasser Fahrbahn. Bei 4 Millimetern gingen im Schnitt rund 12 Prozent der Aquaplaning-Reserven in Längsrichtung verloren, in Kurven knapp 25 Prozent. Das Auto schwimmt bei stehendem Wasser also früher auf. Auf Schnee sank die Traktion um 8,8 Prozent und die Bremsleistung um 12,4 Prozent.

Bei 2 Millimetern, die das Gesetz noch erlaubt, wird es deutlich ernster. Der Bremsweg auf nasser Fahrbahn verlängerte sich im Schnitt von 31,9 auf 37,3 Meter. Auf Schnee brauchten die Reifen aus 30 km/h rund ein Fünftel mehr Weg, und beim Aquaplaning in Kurven ging mehr als die Hälfte der Reserven verloren. Bei manchen Werten kosteten die letzten 2 Millimeter mehr Sicherheit als die gesamte Abnutzung vom Neuzustand bis auf 4 Millimeter.
Der ADAC bleibt deshalb bei seiner Empfehlung, Winterreifen bei 4 Millimetern zu ersetzen. Das gilt auch, wenn bei Ihnen kaum Schnee fällt, denn die größten Verluste zeigte der Test auf nasser Fahrbahn. Ein Winter mit viel Regen und wenig Schnee nimmt das Thema also nicht vom Tisch.
So messen Sie die Profiltiefe Ihrer Winterreifen selbst
Für eine erste Einschätzung brauchen Sie weder Hebebühne noch Werkzeug. Stellen Sie das Auto auf ebenen Grund und schlagen Sie die Vorderräder ein, dann kommen Sie an die Lauffläche gut heran. Prüfen Sie alle vier Reifen, und rollen Sie das Auto für weitere Messstellen ein Stück weiter.

- Stelle wählen Messen Sie in den breiten Rillen in der Mitte der Lauffläche, und zwar an mehreren Stellen rund um den Reifen. Das Gesetz verlangt die Tiefe am ganzen Umfang.
- Verschleißanzeiger suchen In den Hauptrillen sitzen an sechs Stellen kleine Querstege. Schließen sie bündig mit dem Profil ab, ist die angezeigte Grenze erreicht. Neben dem Anzeiger für 1,6 Millimeter haben viele Winterreifen einen weiteren für 4 Millimeter.
- 2-Euro-Münze ansetzen Stecken Sie die Münze in die Rille. Den silbernen Rand gibt der ADAC mit 4 Millimetern an. Verschwindet er ganz, ist noch genug Profil da. Das ist nur eine grobe Orientierung.
- Genau nachmessen Liegt der Wert knapp, schafft ein Profiltiefenmesser aus dem Zubehörhandel oder eine Werkstatt Klarheit.
Der goldene Rand der 1-Euro-Münze ist laut ADAC nur knapp über 3 Millimeter breit und passt zu Sommerreifen, für die der ADAC mindestens 3 Millimeter empfiehlt.
Schauen Sie bei der Gelegenheit auch auf die Reifenflanke. Das Alter steht in der DOT-Nummer, mehr dazu lesen Sie in unserer Anleitung zum Reifenwechsel. Winterreifen werden mit den Jahren härter und schlechter, deshalb sollten Sie sie nach der Empfehlung des ADAC nicht länger als 8 Jahre nutzen, auch wenn noch genug Profil da ist.
Abgefahrene Reifen kosten mindestens 60 Euro und einen Punkt
Fahren Sie mit weniger als 1,6 Millimetern, sieht der Bußgeldkatalog 60 Euro vor (Quelle: Bußgeldkatalog-Verordnung, Nr. 212). Dazu kommen ein Punkt in Flensburg (Quelle: Fahrerlaubnis-Verordnung, Anlage 13) sowie Gebühren und Auslagen. Für Halter liegt der Satz bei 75 Euro, und zwar auch dann, wenn sie selbst am Steuer sitzen (Quelle: § 3 Abs. 2 Bußgeldkatalog-Verordnung).
Gefährden Sie mit abgefahrenen Reifen andere oder verursachen Sie einen Sachschaden, steigt der Regelsatz weiter, von 60 Euro auf 75 und 90 Euro, für Halter entsprechend höher (Quelle: Bußgeldkatalog-Verordnung, Tabelle 4). Bei einem Unfall kann außerdem der Versicherungsschutz in Gefahr geraten. Auch bei der Hauptuntersuchung gehört zu wenig Profil zu den Mängeln, die Prüfer beanstanden.
Wichtig
Zwischen 4 und 1,6 Millimetern fahren Sie in Deutschland legal und ohne Bußgeld. Die Empfehlung von 4 Millimetern betrifft Ihre Sicherheit, nicht die Rechtslage.
In Österreich zählt ein Winterreifen erst ab 4 Millimetern als Winterreifen
Fahren Sie im Winter nach Österreich, gelten andere Werte als zu Hause. In Österreich gilt vom 1. November bis zum 15. April eine witterungsabhängige Winterausrüstungspflicht, die bei Schnee und Schneematsch auf der Fahrbahn oder bei Eis greift. Als Winterreifen zählen dort Reifen mit der Kennzeichnung M+S oder dem Schneeflockensymbol, und zwar nur mit mindestens 4 Millimetern Profil, Diagonalreifen brauchen 5 Millimeter (Quelle: ÖAMTC). Schneeketten sind unter bestimmten Bedingungen die Alternative.
Ein Reifen, der in Deutschland legal ist, gilt dort unter 4 Millimetern also nicht mehr als Winterreifen. Dasselbe gilt laut ADAC für Tschechien. Die Grenze muss den ganzen Winter über halten, deshalb rät der ÖAMTC je nach Kilometerleistung zu rund 6 Millimetern, wenn Sie die Reifen aufziehen. Planen Sie zum Jahreswechsel eine Fahrt in den Skiurlaub, messen Sie am besten schon im Herbst nach. Weitere Regeln für unterwegs finden Sie in unserem Beitrag Mit dem Auto ins Ausland.
Mit der Messung im Herbst bleibt der erste Schnee entspannt
Sie müssen Ihre Winterreifen nicht beim ersten Verschleiß tauschen. Liegt das Profil deutlich über 4 Millimetern, haben Sie noch Zeit. Liegt es knapp darüber, vergleichen Sie jetzt in Ruhe Angebote, statt am ersten Schneetag in der Schlange zu stehen. Ihre Reifen sind das Einzige, was die Straße berührt. Dafür lohnen sich die paar Minuten mit der Münze.
Wie viel Profiltiefe müssen Winterreifen haben?
In Deutschland gelten gesetzlich mindestens 1,6 Millimeter im Hauptprofil. Der ADAC empfiehlt, Winterreifen bei 4 Millimetern zu ersetzen.
Wie messe ich die Profiltiefe ohne Werkstatt?
Als grobe Orientierung dient der silberne Rand der 2-Euro-Münze, den der ADAC mit 4 Millimetern angibt. Verschwindet er ganz in der Rille, ist noch genug Profil da. Genau misst ein Profiltiefenmesser.
Wie viel Profil haben neue Winterreifen?
Neue Reifen haben meist 7 bis 9 Millimeter Profil, Winterreifen im Neuzustand auch 10 Millimeter.
Ab wann sollte ich Winterreifen wechseln?
Der ADAC empfiehlt den Wechsel bei 4 Millimetern Restprofil und unabhängig vom Profil spätestens nach 8 Jahren.
Was gilt für Winterreifen in Österreich?
Dort zählt ein Reifen nur mit mindestens 4 Millimetern Profil als Winterreifen, Diagonalreifen brauchen 5 Millimeter.
Quellen
- Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung: § 36 Reifen und Laufflächen
- Bußgeldkatalog-Verordnung: Anlage, Nr. 212 und 213
- Bußgeldkatalog-Verordnung: § 3 Bußgeldregelsätze
- Bußgeldkatalog-Verordnung: Gesamtausgabe mit Tabelle 4
- Fahrerlaubnis-Verordnung: Anlage 13
- ADAC, 2026: Abgefahrene Reifen im Test
- ADAC, 2026: Mindestprofiltiefe Reifen: Wann es gefährlich wird
- ÖAMTC: Winterreifenpflicht in Österreich
Fotos: Pexels













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