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Reifen selber wechseln mit passenden Schrauben und Drehmoment

9 Minuten Lesezeit
Ein Mann wechselt den Reifen eines Autos (Autoreifen selber wechseln).

Am Straßenrand ist der Radwechsel eine Notlösung für die Panne. Für den Wechsel zur neuen Saison nehmen Sie sich Zeit und besseres Werkzeug.

Ein Autorad hängt meist an vier oder fünf Schrauben. Sie zu lösen und wieder festzudrehen, schaffen fast alle, die schon einmal einen Kreuzschlüssel in der Hand hatten. Die typischen Fehler beim Räderwechsel passieren an anderen Stellen, und die stehen in der Betriebsanleitung meist weit hinten. Zwischen Alu- und Stahlfelgen passen die Schrauben oft nicht. Und das Reifenpaar mit dem besseren Profil gehört nach Rat des ADAC in der Regel auf die Hinterachse, auch bei Frontantrieb. Wenn Sie diese Punkte kennen, können Sie die Reifen selber wechseln, ohne auf einen Werkstatttermin im Oktober zu warten.

Reifen selber wechseln heißt Räder tauschen

Wenn vom Reifenwechsel die Rede ist, meinen die meisten den Tausch kompletter Räder, also Reifen samt Felge. Diese Arbeit können Sie mit etwas Werkzeug selbst erledigen. Einen Reifen von der Felge zu ziehen und einen neuen aufzuziehen, ist dagegen Sache einer Werkstatt mit Montiermaschine und Wuchtgerät. Kaufen Sie neue Reifen, lassen Sie diese also dort auf die Felgen montieren und auswuchten. Den Wechsel zwischen Sommer und Winter erledigen Sie danach selbst, zweimal im Jahr.

Was das spart, hängt von der Werkstatt ab. Der ADAC berichtet, dass 100 Euro und mehr für einen bloßen Räderwechsel heute keine Ausnahme mehr sind, während andere Betriebe noch mit 50 Euro auskommen.

Für den Arbeitsplatz gilt: fest, eben und abseits des Verkehrs. Eine Garage, ein gepflasterter Hof oder die Einfahrt eignen sich. Auf Schotter oder Rasen kann der Wagenheber einsinken oder kippen. Legen Sie einen Gang ein oder stellen Sie den Wahlhebel eines Automatikgetriebes auf P, und ziehen Sie die Handbremse an. Ein Unterlegkeil vor einem Rad der anderen Achse sichert das Auto zusätzlich.

Der Wagenheber aus dem Kofferraum ist für die Panne gedacht

Ein Autoreifen liegt flach auf dem Asphalt vor einem weißen Auto, darauf ein gekreuzter Radschlüssel, daneben eine Werkzeugtasche, im Hintergrund eine Landstraße im Gegenlicht
Ein Radkreuz verteilt die Kraft auf beide Hände und löst festsitzende Schrauben leichter als der kurze Schlüssel aus dem Bordwerkzeug.

Wagenheber und Radschlüssel aus dem Bordwerkzeug sind für die Reifenpanne gedacht. Der ADAC rät ausdrücklich davon ab, mit dem kleinen Notfall-Wagenheber aus dem Kofferraum den saisonalen Räderwechsel zu erledigen. Ein hydraulischer Rangierwagenheber steht breiter und hebt das Auto mit wenigen Pumpbewegungen.

Das wichtigste Werkzeug ist ein Drehmomentschlüssel. Mit ihm ziehen Sie die Schrauben genau mit der Kraft an, die der Hersteller vorschreibt, statt nach Gefühl. Den Wert finden Sie in der Betriebsanleitung, bei nachgerüsteten Felgen im Gutachten. Nach Angaben der Prüforganisation GTÜ liegt er bei Pkw sehr häufig bei 110 oder 120 Newtonmetern. Für ein Notrad schreiben manche Hersteller ein eigenes Drehmoment vor.

Haben Ihre Räder ein Felgenschloss, ist an jedem Rad eine Schraube durch eine mit besonderem Kopf ersetzt, die sich nur mit einem passenden Adapter lösen lässt. Suchen Sie diesen Adapter, bevor das Auto in der Luft ist, und bewahren Sie ihn danach beim Bordwerkzeug auf. Zu manchen Schlössern gehört eine Codekarte, mit der Sie beim Hersteller einen Ersatzschlüssel bestellen können. Haben Sie eine, bewahren Sie sie zu Hause auf und nicht im Handschuhfach.

Die Schrauben lösen Sie, solange das Rad noch steht

Person in kurzer Hose und weißen Turnschuhen hockt neben einem weißen Auto und dreht die Kurbel eines Wagenhebers unter dem Schweller, hinter ihr liegt ein Reservereifen auf dem Asphalt
Gekurbelt wird erst, wenn die Radschrauben gelockert sind. Die Betriebsanleitung zeigt die Stellen am Schweller, an denen der Wagenheber ansetzen darf.

Lockern Sie die Radschrauben, bevor Sie das Auto anheben. Steht das Rad noch auf dem Boden, dreht es sich nicht mit, und Sie brauchen weniger Kraft. Eine Viertelumdrehung je Schraube genügt. Erst dann setzen Sie den Wagenheber an, und zwar ausschließlich an den Hebepunkten, die der Hersteller vorgesehen hat. Bei Elektroautos ist das besonders wichtig, denn ein falsch angesetzter Wagenheber kann die Antriebsbatterie im Unterboden beschädigen.

Heben Sie das Auto nur so weit an, bis sich das Rad frei drehen lässt. Legen Sie sich nie unter ein Auto, das allein auf dem Wagenheber steht. Wenn Sie darunter etwas tun müssen, braucht es zusätzlich Unterstellböcke. Der ADAC rät außerdem, das abgenommene Rad unter das Auto zu legen. Dort liegt es als Puffer, falls der Wagenheber nachgibt. Vor dem Absenken holen Sie es wieder hervor.

Unser Tipp: Räder vor dem Abnehmen beschriften

Schreiben Sie mit Wachskreide die Position auf die Lauffläche jedes Rads: VL für vorn links, HR für hinten rechts. Beim nächsten Wechsel sehen Sie sofort, wo jedes Rad gelaufen ist. Statt Kreide gehen auch Aufkleber oder beschriftete Ventilkappen.

Stahlfelgen und Alufelgen brauchen oft eigene Schrauben

Viele Autos fahren im Sommer auf Alufelgen und im Winter auf Stahlfelgen. Dabei geht leicht unter, dass beim Wechsel zwischen Stahl- und Leichtmetallrädern häufig andere Radschrauben oder Muttern nötig sind. Darauf weist auch der ADAC hin. Der Grund liegt in der Form: Die Schrauben zentrieren das Rad über einen kegelförmigen oder halbkugelförmigen Bund, der genau in die Bohrung der Felge passen muss. Mercedes etwa schreibt in einer Werkstattanweisung vor, Kegelbundschrauben nicht für seine Leichtmetallräder zu verwenden.

Eine falsche Schraube sieht nach dem Anziehen genauso fest aus wie die richtige. Passt ihr Bund nicht zur Felge, liegt sie nicht sauber an und hält das Rad trotz richtigem Drehmoment nicht sicher fest. Bewahren Sie die Schrauben deshalb zusammen mit dem jeweiligen Radsatz auf, am besten in einer beschrifteten Dose. Sind Sie unsicher, welche Schrauben zu welchen Felgen gehören, fragen Sie beim Händler mit der Fahrgestellnummer nach. Für nachgerüstete Felgen stehen die passenden Schrauben im Gutachten oder in der Allgemeinen Betriebserlaubnis.

Bevor das neue Rad auf die Nabe kommt, bürsten Sie Rost und Schmutz von der Auflagefläche ab, damit die Felge plan aufliegt. Die Gewinde der Schrauben werden dabei nicht geschmiert. Fett im Gewinde kann bei der Hitze der Bremsen verbrennen und das Gewinde erst recht verbacken. Ausnahmen gelten nur, wenn der Hersteller es ausdrücklich vorschreibt.

Das bessere Reifenpaar gehört meist auf die Hinterachse

Naheliegend wäre, die Reifen mit dem meisten Profil nach vorn zu setzen, weil bei Frontantrieb dort die Antriebsachse liegt. Der ADAC und der Reifenhersteller Michelin raten dagegen, die besseren Reifen hinten zu montieren, egal ob das Auto Front-, Heck- oder Allradantrieb hat, sofern die Betriebsanleitung nichts anderes vorgibt. Manche Autohersteller empfehlen bei Frontantrieb die neuen Reifen vorn, ein Blick ins Handbuch lohnt also. Der Grund für die Regel zeigt sich in Kurven und beim Spurwechsel auf nasser Fahrbahn. Verliert dort zuerst die Hinterachse die Haftung, bricht das Heck aus, und das Auto lässt sich schwer abfangen. Rutscht dagegen zuerst die Vorderachse, schiebt das Auto eher geradeaus weiter.

Damit sich beide Paare gleichmäßig abfahren, tauschen Sie die Räder spätestens alle 10.000 Kilometer zwischen den Achsen. Achten Sie dabei auf die Laufrichtung. Steht auf der Reifenflanke ein Pfeil mit dem Wort „Rotation“, muss sich der Reifen beim Vorwärtsfahren in Pfeilrichtung drehen. Ein solches Rad bleibt immer auf derselben Fahrzeugseite und wandert nur von vorn nach hinten. Viele Reifen tragen außerdem die Aufschrift „Outside“ für die Seite, die nach außen zeigen muss. Haben sie keine Laufrichtung, dürfen sie links wie rechts montiert werden. Bei Autos mit unterschiedlichen Reifengrößen vorn und hinten entfällt der Achstausch.

Steht die Entscheidung zwischen Winterreifen und Ganzjahresreifen noch an, hilft Ihnen unser Vergleich Winterreifen oder Ganzjahresreifen weiter. Für die Winterreifenpflicht zählen seit dem 1. Oktober 2024 nur noch Reifen mit dem Alpine-Symbol auf der Flanke, einem Bergpiktogramm mit Schneeflocke. Die Kennzeichnung M+S allein reicht nicht mehr.

Über Kreuz anziehen und nach 50 Kilometern nachziehen

Setzen Sie das Rad auf die Nabe und drehen Sie alle Schrauben zuerst von Hand ein, bis sie anliegen. Senken Sie das Auto dann so weit ab, dass das Rad den Boden berührt. Jetzt ziehen Sie mit dem Drehmomentschlüssel über Kreuz an, also immer die gegenüberliegende Schraube als nächste. So zieht sich die Felge gleichmäßig an die Nabe, statt schief auf einer Seite festzusitzen.

Ein Schritt folgt erst nach der ersten Fahrt. Der ADAC empfiehlt, die Schrauben nach etwa 50 Kilometern noch einmal mit dem Drehmomentschlüssel zu prüfen und gegebenenfalls nachzuziehen. Wenn Sie in der Werkstatt wechseln lassen, sind Sie zum Nachziehen übrigens nicht verpflichtet, solange Ihnen am Fahrverhalten nichts auffällt. Das hat das Oberlandesgericht München 2021 entschieden. Beim eigenen Wechsel übernehmen Sie diese Kontrolle selbst.

Danach stellen Sie den Reifendruck auf den Wert vom Aufkleber in der Fahrertür ein, wie es unser Beitrag Reifendruck prüfen und anpassen beschreibt. Ist Ihr Auto seit November 2014 neu zugelassen, hat es ein Reifendruckkontrollsystem. Bei einem indirekt messenden System starten Sie es nach dem Wechsel und dem Einstellen des Drucks neu, wie es die Betriebsanleitung beschreibt. Bei direkt messenden Systemen sitzt in jedem Rad ein Sensor, deshalb brauchen auch die Winterräder eigene Sensoren, die nach dem Wechsel unter Umständen neu angelernt werden müssen. Ein offensichtlich nicht funktionierendes System ist bei der Hauptuntersuchung ein erheblicher Mangel.

Profil, Alter und Lagerplatz gleich mitprüfen

Wenn die Räder schon einmal ab sind, lohnt ein genauer Blick auf die Reifen. Das Gesetz verlangt mindestens 1,6 Millimeter Profiltiefe. Der ADAC empfiehlt bei Sommerreifen mindestens 3 Millimeter und bei Winter- und Ganzjahresreifen mindestens 4 Millimeter. Zum Messen genügt eine 1-Euro-Münze: Ihr goldener Rand ist gut 3 Millimeter breit. Verschwindet er beim Hineinstecken ganz im Profil, ist bei Sommerreifen noch genug da. Für die 4 Millimeter bei Winterreifen reicht diese Münze nicht. Als grobe Orientierung dient der silberne Rand der 2-Euro-Münze, den der ADAC mit 4 Millimetern angibt (Quelle: ADAC). Genau misst ein Profiltiefenmesser. Fahren Sie mit weniger als 1,6 Millimetern, kostet das 60 Euro und einen Punkt. Sind Sie der Halter und fahren selbst oder lassen die Fahrt zu, zahlen Sie 75 Euro und bekommen ebenfalls einen Punkt (Quelle: § 3 Abs. 2 Bußgeldkatalog-Verordnung).

Das Alter steht in der DOT-Nummer auf der Reifenflanke. Die letzten vier Ziffern nennen Produktionswoche und Jahr, 0816 heißt also achte Woche 2016. Der ADAC rät, Winterreifen nach spätestens acht Jahren zu ersetzen, Sommerreifen nach spätestens zehn, auch wenn noch Profil da ist. Das Gummi altert auch im Keller.

Die abmontierten Räder lagern Sie am besten kühl, dunkel und trocken, flach liegend oder hängend an einem Felgenbaum oder einer Wandhalterung. Reifen ohne Felge stehen dagegen hochkant und werden alle paar Monate ein Stück gedreht. Erhöhen Sie den Luftdruck vor dem Einlagern um 0,5 bar über die Herstellervorgabe, und stellen Sie ihn nach dem nächsten Wechsel wieder auf den normalen Wert.

Beim zweiten Mal geht es schneller

Der erste Räderwechsel dauert länger, weil Sie Hebepunkte, Schrauben und den Adapter fürs Felgenschloss erst suchen. Beim zweiten Mal liegt alles bereit, die Räder sind beschriftet und die Schrauben stecken in ihrer Dose. Dann bleibt vom Wechsel eine überschaubare Arbeit in der Einfahrt und eine kurze Runde mit dem Drehmomentschlüssel nach 50 Kilometern. Fehlen Ihnen Erfahrung oder passendes Werkzeug, ist die Werkstatt die bessere Wahl, dazu rät auch der ADAC.

Fotos: Fotolia_Nikola Borovic, Fotolia_Rostislav Sedlacek, Fotolia_Teera

5 Kommentare

  1. Leider ist einer unseren Reifen nach der letzten Fahrt etwas platt gefahren. Es scheint als wären wir über einen Nagel gefahren, als wir in die Einfahrt gefahren sind. Der Blogbeitrag ist auf jeden Fall sehr hilfreich. Mein Mann und ich werden mal versuchen den Reifen selber zu wechseln. Falls dies nicht funktioniert, werden wir uns an einen Autoreparaturservice wenden.

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  2. Ich muss die Autoreifen bald wechseln und da ich neue Alufelgen habe, möchte ich ganz ordentlich vorgehen und recherchiere aktuell die richtige Handhabung. Mir war gar nicht bewusst, dass ich das Auto mit dem Wagenheber noch nicht vollständig vom Boden löse sondern als erstes die Schrauben etwas lockere. Darauf werde ich auf jeden Fall achten, vielen Dank für den Tipp.

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  3. Ich möchte meine Reifen wechseln. Danke für den Hinweis, dass bei Schäden an Reifen, oder Felge direkt der Reifen gewechselt werden sollte. Vielleicht kann mir ein Autohaus weitere Beratung geben.

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  4. Der Reifenwechsel ist definitiv eine Aufgabe, die man mit etwas Geschick und den richtigen Werkzeugen selbst durchführen kann. Es ist wichtig, alle Schritte sorgfältig auszuführen, um sicherzustellen, dass die Reifen korrekt montiert sind. Manchmal kann es jedoch sinnvoll sein, eine Kfz-Werkstatt aufzusuchen, besonders wenn man sich unsicher ist oder nicht das richtige Werkzeug zur Verfügung hat. Sicherheit sollte immer an erster Stelle stehen, unabhängig davon, ob man den Reifenwechsel selbst vornimmt oder in professionelle Hände gibt.

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  5. Verstehe, zu wenig Profil kann also auch einen Reifenwechsel notwendig machen. Ich habe das letztens mit der Euro Münze gemessen und mir ist aufgefallen, dass diese unter 3 mm ist. Das heißt, es wäre ein Reifenwechsel nötig, oder?

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